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'Die Besonderheit der Mischehen während der französischen Zeit'
 
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Die Besonderheit der Mischehen während der französischen Zeit

Die Untersuchung der Mischehen in der Zeit von 1830 bis 1870 läßt einige Besonderheiten erkennen. Auffällig ist zunächst die Ausgewogenheit im Geschlechterproporz bei den deutsch-elsässischen Mischehen. Anders ausgedrückt: bei den Mischehen waren Männer und Frauen der jeweiligen Nationalität mit etwa gleichen Anteilen vertreten. Zweitens waren alle Sozialklassen von diesen Mischehen betroffen. Betrachtet man die sozialen und beruflichen Kategorien der deutschen Ehemänner, die eine Elsässerin ehelichten, so standen Tagelöhner und Handwerker mit 69% der Gesamtzahl an der Spitze. Danach kamen die Händlerberufe, vom Grobhändler bis zu den Kontoristen und Geschäftsangestellten (17,5%). Zählt man zusammen, was als Elite bezeichnet werden kann - Händler, freie Berufe und Pastoren -, so erreichte man ebenfalls einen Anteil von 17,5%, ein hoher Wert, der abermals unterstreicht, welche Bedeutung Strabburg als wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Knotenpunkt hatte.

Unter räumlichen Gesichtspunkten entsprach das Herkunftsgebiet der deutschen Eheleute zu rund 90% dem Oberrheingebiet, hauptsächlich dem Badener Land, der Pfalz und Württemberg (76%), während Norddeutschland, Sachsen und Altpreuben wenig bedeutsam waren (8%). Die Untersuchung der Mischehen unterstreicht also, dass während der vierzig Friedensjahre vor dem Siebziger Krieg das Elsass hervorragend die Rolle einer Nahtstelle zwischen französischem und germanischem Raum spielte. Die Beziehungen der Menschen über den Rhein, die dieselbe Sprache sprachen und die derselben Konfession angehörten, bildeten die Basis einer Völkermischung, die sich in einer beachtlichen Zahl an Mischehen niederschlug.

Diese Verhältnisse dauerten auch noch in den Jahren 1871, 1872 und teilweise noch 1873 an, trotz der tragischen Vorfälle und der deutschen Machtübernahme im Elsass. Von 1874 an ging man dann zu einem « neuen Ehesystem » über.

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