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'Metternich'
 
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Metternich [1] kultivierte die Idee von Mitteleuropa, die er keineswegs rein deutsch verstand, sondern als ein ethnisch-nationales Völker- und Staatenbündnis zwischen dem russischen Osten und dem atlantisch-außereuropäisch orientierten Westeuropa, das zudem im Zuge der Französischen Revolution, gewissermaßen aus mitteleuropäischer Sicht, einen Sonderweg in Europa beschritten hatte. Metternichs Grundgedanke war der der Föderation, sowohl für den deutschen Bund wie für den Zusammenhalt Europas. "Die Überwachung der europäischen Geschehnisse und die Bewahrung der europäischen Stabilität wollte der Staatskanzler einem Areopag der Großmächte anvertrauen, dessen Funktionieren anscheinend ganz ohne statutarische Festlegung lediglich vom Meinungsaustausch der leitenden Staatsmänner erwartet wurde. Eine "permanente Konferenz" oder ein europäisches Informationsbüro in Wien sollten allenfalls den Areopag in seinen Aufgaben unterstützen." (Gollwitzer1 [2] S. 226). Metternich betrachtete die europäischen Staaten als eine Gesellschaft, sie formten seiner Meinung nach einen sozialen Körper. Zeitgemäß war auch die Bezeichnung der europäischen Staaten als Familie. Was Metternich angeht, ist hervorzuheben, dass er die Türkei, das Osmanische Reich, in das europäische Mächtekonzert aufnehmen wollte. Das Osmanische Reich war längst zu einem stabilen Faktor geworden, dessen innere politische Gestaltung Ähnlichkeiten mit dem habsburgischen Vielvölkerstaat aufwies. In Metternichs Kalkül brauchte Europa die Türkei, um Rußland in Schach zu halten, selbst wenn, oder gerade weil Rußland im europäischen Mächtekonzert seinen wohldefinierten Platz finden und erhalten sollte. Der griechische Unabhängigkeitskrieg 1821-32 mobilisierte allerdings die Intellektuellen gegen die Türkei, und ab den 1830er Jahren intensivierten sich antirussische oder auch antislawische Töne. Griechenland wurde anfangs zu einer bedeutenden kulturellen Referenz in Europa, die sich im Philhellenismus niederschlug. Gerade im frühen 19. Jh. wurde das antike Griechenland als Geburtsland der europäischen Kultur interpretiert, und das neue Griechenland wurde als Erbin betrachtet. Das änderte sich schon in den 1830er Jahren, als in umfangreichen historischen Forschungen die Eroberung durch die Türken als epochaler Bruch in der griechischen Kultur interpretiert wurde. Außerdem wurde in Zweifel gezogen, daß die zeitgenössischen Griechen direkte Nachkommen der antiken Griechen seien; vielmehr wurden Vermischungen mit Albanern, Türken usw. gegen diese Ansicht ins Feld geführt.

Text: Wolfgang Schmale: Geschichte Europas (UTB), Wien 2001, S. 96-97 (mit freundlicher Genehmigung des Böhlau-Verlages Wien)