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'Rhône-Alpes: Wirtschaft, demographischer und sozialer Wandel'
 
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Wirtschaft, demographischer und sozialer Wandel

Abbildung 17:

Budget 2002 des Régions

 

 

 

Internet-Quelle

Im Jahre 2002 umfasste das Budget der Region 1,33 Mrd. Euro. Die Einnahmen setzten sich wie folgt zusammen: Zuwendungen des Zentralstaates zur Deckung der der Region seit 1982 übertragenen Kompetenzen in Höhe von 48,9%. An direkten Steuern konnte Rhône-Alpes 23,7% der Gesamtsumme einnehmen. Die wichtigsten dieser Steuern waren die Grundsteuer und die Gewerbesteuer. Die indirekten Steuereinnahmen (11,1%) entstammte der Zulassungsgebühr für Kraftfahrzeuge. Die restlichen 16,3% setzten sich aus der Erstattung der Mehrwertsteuer, Zuwendungen aus den europäischen Regional- und Strukturfonds sowie aus der Kreditaufnahme zusammen.

Mit Stolz verweisen die politisch Verantwortlichen darauf, dass die Region bei der Pro-Kopf-Verschuldung bei insgesamt niedrigen Steuersätzen bei den direkten Steuern im nationalen Durchschnitt liegt. Einen Finanzausgleich zwischen reichen und armen Regionen gibt es in Frankreich nicht.

Abbildung 18 a/b:
Internet-Quelle [1]

Die Ausgaben konzentrierten sich im Wesentlichen auf drei Bereiche: 51,3% wurden für den Erhalt und Bau von Gymnasien sowie berufliche (Fort-)Bildung aufgewandt. Weitere 35,1% flossen in Infrastrukturmaßnahmen und 13,6% wurden für die wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus, Umweltschutz, Kultur und Forschung eingesetzt. Hinzu kamen Ausgaben in Höhe von 5% für die Regionalverwaltung und die politischen Institutionen der Region sowie etwa 10% für die Bedienung der Schulden und Tilgungsraten.

Die Region Rhône-Alpes hat etwa die gleiche Größe wie die Schweiz, Belgien oder Dänemark. Mit einer Gesamtfläche von 43 698 km2 zählt sie innerhalb der Europäischen Union zu den großen Wirtschaftsregionen. Fast 5,7 Mio. Menschen leben in Frankreichs zweitgrößten und wirtschaftlich zweitwichtigsten Region. Insgesamt sind 2,25 Mio. Rhônalpins (auch Rhône-alpins) berufstätig, davon 23% in der Industrie, 56% im Dienstleistungssektor und 3% in der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenrate liegt mit 7,6% deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Das Bruttoinlandsprodukt der Region am gesamtfranzösischen beträgt fast 10%, das Industriepotential macht gut 10% des nationalen aus, was den hohen Stellenwert der Region im innerfranzösischen Vergleich unterstreicht. So lag im Jahr 2000 das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der regionalen Bevölkerung bei 24.113 Euro. Auch im Außenhandel nimmt Rhône-Alpes eine führende Position ein: Ein Drittel der französischen Ausfuhr kommt aus diesem Gebiet.

Rhône-Alpes ist die viertwichtigste Agrarregion [2] Frankreichs. Drei Kernbereiche sind von besonderer Bedeutung: der Obst- und Weinanbau, u.a. mit seinen weltbekannten Sorten Beaujolais und Côtes du Rhône, die Viehzucht besonders in der Bresse, aber auch in den Ausläufern des Zentralmassivs und der Voralpen sowie die Forstwirtschaft in den Alpen. In Zahlen ausgedrückt werden jährlich 3,2 Mio. Hektoliter Wein erzeugt, 61.000 Tonnen Rindfleisch und 65.000 Tonnen Schweinefleisch.

Etwa eine halbe Mio. Menschen arbeiten in der Industrie [3] und erwirtschaften einen Umsatz von fast 90 Mrd. Euro, was 12% der französischen Industrieproduktion entspricht. Im Gegensatz zu den meisten übrigen französischen Regionen hat sich die Industrie in Rhône-Alpes hauptsächlich auf die Elektrotechnik, den elektronischen Bereich, die Biotechnologie sowie auf die chemische Industrie konzentriert. Daneben spielen aber auch die Metallurgie und der Textilsektor eine bedeutende Rolle. Durch den Bau von Wasserkraftwerken an der Rhône und in den Alpen sowie durch den seit Beginn der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts forcierten Ausbau von Atomkraftwerken ist Rhône-Alpes Frankreichs wichtigster Energieproduzent.

68% aller Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungsbereich [4] , vor allem in den Großstädten und in den alpinen Touristenzentren. Mit dieser Zahl belegt Rhône-Alpes hinter der Region Ile-de-France den zweiten Platz. Außerhalb des Tourismus konzentrieren sich die Beschäftigungsbereiche besonders auf das Ingenieurwesen (u.a. Beratung, Planung und Baudurchführung von Kraftwerken und Staudämmen), den Informatikbereich und die Kommunikation. Daneben sind einige Unternehmen im Bereich Logistik und Transport führend. Der Tourismus konzentriert sich hauptsächlich auf den Wintersport. Wander- und Badeaufenthalte im Sommer sind im Vergleich dazu wenig bedeutsam. Drei Mal konnten bislang in der Region die olympischen Winterspiele ausgerichtet werden: 1924 in Chamonix, 1968 in Grenoble und 1992 in Albertville. Der Werbeeffekt dieser Großveranstaltungen für das gesamte Skigebiet der Region kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Mit der Verabschiedung des "Plan neige" in den Pariser Ministerien Anfang der sechziger Jahre wurde systematisch der Ausbau von Skianlagen und von kleinen Alpendörfern zu touristischen Massenschlafstätten ohne Rücksicht auf ökologische Auswirkungen und die Verschandelung der Landschaft vorangetrieben. Durchschnittlich 100.000 Beschäftigte (ohne Saisonarbeiter) sind allein in diesem Tourismuszweig tätig.

Während sich die ländlichen Gebiete Frankreichs immer mehr entvölkern, zählt die Rhôneachse zu den Gebieten mit hohem demographischem Wachstum. Lyon und Umgebung können eine Bevölkerungszunahme von durchschnittlich 0,6% verzeichnen. So wuchs die Gesamtbevölkerung der Region im Zeitraum von 1982 bis 1995 um über eine halbe Mio. Menschen. Im Rhônetal und den angrenzenden Gebieten lebten 1994 durchschnittlich zwischen 100 und 150 Menschen pro km2. Im Jahre 1990 lag der urbane Anteil der Bevölkerung bei 76,4%.

Hinsichtlich der Verteilung der Ausländeranteile nimmt Rhône-Alpes neben dem Großraum Paris und Marseille eine herausragende Position ein. Durchschnittlich 10 bis 13% der Bevölkerung in den Departements Rhône, Ain und Isère waren im Jahre 1990 Ausländer, deren Herkunftsländer meist in Nordafrika liegen. Lyon hatte einen Ausländeranteil von 10,7%, St. Etienne einen von 10%. Rassenunruhen in den trostlosen Lyoner Vorstädten flammten seit Beginn der neunziger Jahre regelmäßig auf. Ursache ist häufig die hohe Arbeitslosigkeit der Migrantenkinder bedingt durch ihre schlechte schulische und berufliche Ausbildung.