French
German
 
Seite zur Sammlung hinzufügen
'Rhône-Alpes: Geschichte'
 
Keine Seiten in der Sammlung.
 
 
 
 
 

Sie sind hier: Deuframat > ... > Rhône-Alpes: Geschichte

Geschichte

Rhône-Alpes [1] ist ebenfalls eine so genannte Bindestrichregion. Gemeinsame historische Traditionen finden sich in Frankreichs zweitwichtigster Region nicht. In ihr sind vielmehr Territorien vereinigt, die im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit zum französischen Königreich, zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und zum späteren Königreich Piemont-Sardinien gehört haben. Folglich geschah ihre Eingliederung in den französischen Staatsverband zu sehr unterschiedlichen Epochen. Als erstes Gebiet wurden Teile Burgunds (damals noch Mitglied des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) Ende des 13. bzw. zu Beginn des 14. Jahrhunderts von Frankreich annektiert. Im Jahre 1320 wurde Lyon französisch. Damit hatte Frankreich den Zusammenfluss von Rhône und Saône erreicht und einen wichtigen Handelsplatz auf dem Weg nach Italien erhalten. Die Stadt wurde rasch zum zweitwichtigsten Wirtschaftszentrums Frankreichs und "stieg im 16. Jahrhundert zum größten Handels- und Gewerbezentrums des Königreichs auf" (Michna 1998: 26).

Abbildung 11:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Internet-Quelle

Die Verleihung des Messeprivilegs durch den französischen König Ende des 15. Jahrhunderts hatte maßgeblich zu diesem Aufschwung beigetragen.

Die Dauphiné, genauer: das Herzogtum Vienne, mit der Hauptstadt Grenoble, gelangte 1349 durch Kauf an Frankreich. Es bürgerte sich der Brauch ein, dass der französische Thronfolger die Dauphiné als persönliches Lehen erhielt und fortan den Titel Dauphin trug.

Savoyen kam erst nach den italienischen Einigungskriegen 1860 als Belohnung für die militärische Hilfe, die Kaiser Napoleon III. Piemont-Sardinien gegen Österreich gewährt hatte, an Frankreich. Schon seit der frühen Neuzeit war das Gebiet, das die wichtigen Alpenpässe nach Italien kontrollierte, mehrfach unter französischer Herrschaft gewesen, ohne dass sich Frankreich allerdings dauerhaft hier festzusetzen vermochte. Durch die Gewichtsverlagerung des piemontesisch-sardinischen Hofes nach Turin entfremdeten sich die westlichen, französischsprachigen Gebiete (die heutigen Departements Savoie und Haute-Savoie) immer mehr dem späteren italienischen Königshaus und wandten sich verstärkt Frankreich zu. So berief sich Napoleon III. bei seiner Forderung nach Übereignung dieser Gebiete an Frankreich auf Nationalität und Sprache ihrer Bevölkerung. Ein Plebiszit der savoyischen Bevölkerung sanktionierte den Anschluss an Frankreich.

Die im Zuge der Französischen Revolution durchgeführte Neugliederung des gesamten Landes in neue Verwaltungseinheiten, die Departements, wurde auch auf die Gebiete westlich und östlich der Rhône-Saône-Schiene übertragen. So entstanden damals die noch heute gültigen Verwaltungsgrenzen der sechs Departements, die gemeinsam mit den 1860 hinzugetretenen beiden savoyischen die acht Departements der Region bilden.

Abbildung 12:

Administrative Gliederung der Region Rhône-Alpes

 

 

Internet-Quelle [2]

Die historisch bedingten unterschiedlichen Zugehörigkeiten der drei Gebiete, die heute die Region Rhône-Alpes bilden, spiegelten sich auch lange Zeit in einem fehlenden Identitätsgefühl wider. Ähnlich wie im deutschen Südwesten mussten unterschiedliche lokale und regionale Identitäten, verschiedene Mentalitäten und wirtschaftliche Unterschiede allmählich verschmelzen. So schien ein regionaler Zusammenschluss Savoyens mit der Dauphiné undenkbar, da sich die Savoyer nicht einem "Diktat" Grenobles unterordnen wollten. Auch das religiöse Bekenntnis war nicht durchgängig katholisch, sondern in einigen Teilen der Provinz leben nach wie vor beachtliche protestantische Minderheiten. Hinzu kommt, dass Rhône-Alpes von sehr unterschiedlichen Naturräumen geprägt ist: im Osten die Hochalpen, in der Mitte das Rhône-Tal und im Westen die Ausläufer des Zentralmassivs. Mentale Unterschiede bestanden bzw. bestehen ebenfalls in allen drei Gebieten. So gelten die Bewohner Lyons in den Augen der Savoyer als arrogant, während sich die Dauphinois selbst als "zielstrebige Arbeiter" einschätzen (Michna 1998: 43). Auch bestehen nach wie vor große wirtschaftliche Unterschiede zwischen den einzelnen Teilen dieser Region, die nach der Ile-de-France das wichtigste Wirtschaftsgebiet Frankreichs ist. Zweifellos haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Gegensätze zwischen Dauphinois und Savoyards, zwischen Lyonnais und Grenoblois dank einer prosperierenden Wirtschaft stark abgeschwächt, so dass - wie eine Umfrage Anfang der neunziger Jahre belegte - ein Regionalgefühl, eine regionale Identität als "Rhônalpin" entstehen konnte. Aber noch Mitte der fünfziger Jahre, als die 22 Regionen Frankreichs als reine Wirtschaftseinheiten ohne "politischen Unterbau" im Zuge der Raumordnungspolitik geschaffen wurden, brachen historisch bedingte Differenzen wieder auf, da sich Savoyen weigerte, mit der Dauphiné eine eigene Region zu bilden, so dass schließlich im Juni 1960 die ökonomisch sinnvollere, größere Lösung unter Einschluss der Departements im Umfeld von Lyon erfolgte. Seither sind folgende Departements zur Region Rhône-Alpes zusammengeschlossen: Ain, Ardèche, Drôme, Isère, Loire, Rhône, Haute-Savoie und Savoie.

Im Jahre 1972 wurden die 22 so genannten Programmregionen aufgewertet, indem ihnen weitere wirtschaftliche Kompetenzen übertragen wurden. Der Durchbruch zu einer Gebietskörperschaft mit eigenen politischen Rechten erfolgte aber erst zehn Jahre später nach dem Wahlsieg der Linken. Ein Jahr nach der Übernahme des Präsidentenamtes durch François Mitterrand wurden die Dezentralisierungsgesetze am 2. März 1982 verabschiedet.
Jede Region erhielt nun einen Regionalrat, der erstmals 1986 in allgemeiner und direkter Verhältniswahl gewählt wurde. Der Präsident dieses Rates löste den Präfekten als alleinigen Vertreter der regionalen Exekutive ab. Die vom Präfekten ausgeübte vorherige Staatsaufsicht wurde zugunsten der nachträglichen Rechtsaufsicht aufgehoben, wodurch der Präfekt zum Repräsentanten des Zentralstaates wurde.

Die Region Rhône-Alpes hat zwar kein Wappen wie Baden-Württemberg, wohl aber ein Logo, das 1989 geschaffen wurde. Die acht Balken in vertikaler Richtung stehen für die acht Departements; ihre Konvergenz (ebenso wie die Palette der Regenbogenfarben) symbolisiert deren erstrebte Harmonie in der Komplementarität. Der quergezogene Strich deutet den Fluss Rhône als verbindendes Element an, während sich die Silhouette der Alpen aus der Gesamtfigur ergibt. Dadurch soll die sich ergänzende Vielfalt der Region auch in ihrem (jetzt oft benutzten) Logo zum Ausdruck kommen.

Abbildung 13:

Logo der Region Rhône-Alpes

 

 

Internet-Quelle

Abbildung 14:

Die physische Landesnatur
der Region Rhône-Alpes

 

 

Internet-Quelle (03.09.2003)

Zum Thema Theater und Museen in der Region Rhône-Alpes s. Große [3] .