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'Didaktische Relevanz'
 
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Didaktische Relevanz

Heutzutage sind zahlreiche Studien und Materialien über die beiden Weltkriege verfügbar, da es mittlerweile möglich geworden ist, diese Konflikte mit der für den Historiker notwendigen kritischen Distanz zu betrachten. Mit anderen Worten: die "Historisierung" dieser bis dahin allzu emotionsbeladenen Vergangenheit hat begonnen. Die Ursachen des Kriegsausbruchs im August 1914 sind inzwischen ausführlich untersucht worden, ebenso die Wechselbeziehungen zwischen der nationalsozialistischen Expansionspolitik und dem Zögern der Demokratien vor 1939.

Aber auch die Kenntnis der dazwischenliegenden Zeit, die man bezeichnenderweise gelegentlich " Zwischenkriegszeit " nennt, verdient Beachtung, wenn man die kriegerischen Auseinandersetzungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besser verstehen will. Die zwei Jahrzehnte zwischen 1919 und 1939 weisen vielschichtige Entwicklungen auf, da sie einerseits von heftigen Revanchegelüsten auf seiten der Besiegten und andererseits von einer großen Friedenssehnsucht geprägt sind, wobei letztere vor allem in Frankreich verbreitet ist. Wenn man den Ausbruch eines neuen Weltkriegs als Schlußpunkt im Auge behält, geben die Wechselfälle der vorhergehenden Jahre die Gelegenheit, allgemein über Mittel und Strategien der Konfliktvermeidung in den internationalen Beziehungen der Neuesten Zeit nachzudenken. Abgesehen von dieser gewissermaßen moralischen Fragestellung hilft die Untersuchung der Zwischenkriegszeit, sich langer Zeiträume in der Geschichte bewußt zu werden. Denn wenn man sich mit den Jahren 1919-1939 beschäftigt, muß man unausweichlich auch die beiden Weltkriege und eventuell sogar die Jahre 1870-1914 oder die Nachkriegszeit nach 1945 in die Überlegungen miteinbeziehen.

Die deutsch-französischen Beziehungen stellen einen entscheidenen Indikator für das Verständnis dieses wichtigen Abschnitts des vergangenen Jahrhunderts dar. Unter anderem haben die internationalen Spannungen der Zwischenkriegszeit in der Feindschaft oder (seltener) der vorübergenden Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich ihren Ausdruck gefunden. Für die Verringerung des Kriegsrisikos sehen erstrangige Entscheidungsträger dieser Jahre wie Aristide Briand und Gustav Stresemann das Ende der deutsch-französischen Gegnerschaft als unumgängliche Voraussetzung an. Sind aber solche Friedensgedanken in Frankreich und Deutschland allgemein verbreitet? Zeitgenössische Schulbücher liefern Material zur Antwort auf diese Frage, und zwar insbesondere durch ihre verschiedenen Arten, das Nachbarland und seine Bewohner, d.h. die Franzosen respektive die Deutschen, darzustellen. Dieses Material wird erst dann aufschlußreich, wenn man die nicht explizite Ausdrucksebene miteinbezieht, d.h. Nebensinne, Anspielungen, Karten und andere Illustrationen des Textes mit ihren Legenden, die oft unterschwellige Urteile enthalten. Wer all diese Aspekte einer Schulbuchdarstellung aufdecken will, muß sich auf stilistische Details des Textes konzentrieren und darf sich nicht mit einer summarischen und oberflächlichen Lektüre zufriedengeben. Auf ganz andere Art ermöglicht die Untersuchung von Artikeln und Karikaturen aus dem Simplicissimus und dem Canard enchaîné einen Blick auf die deutsch-französischen Konflikt- und Diskussionsgegenstände dieser Zeit. Nebenbei wird hier auf stimulierende Weise die Fähigkeit gefördert, Bildmaterial als historische Quelle zu verstehen.

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