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Die Revolte

Der spielerische und volksfestartige Aspekt der antiautoritären Aktionen, der in zahllosen Tomatenwürfen, Puddingbomben und ironischen Angriffen auf die Autorität zum Ausdruck kam, endete schlagartig mit dem gewaltsamen Tod des Studenten Benno Ohnesorg [1] , der am 2. Juni 1967 in Berlin bei der Demonstration gegen den Schahbesuch von einem Polizisten getötet wurde. Die Panik, die auf den Tod von Benno Ohnesorg folgte und am 11. April 1968 im Attentat [2] gegen Rudi Dutschke gipfelte, entlud sich in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Ordnungskräften mit Verletzten auf beiden Seiten.

Abbildung 7:

Tod Benno Ohnesorgs

 

 

 

 

 

Internet-Quelle [3]

Überall in Deutschland setzten Studenten Lieferwagen in Brand, mit denen die Boulevardzeitungen der Springer-Presse ausgefahren wurden. Diese Verlegermagnaten machten die Studenten für das Attentat verantwortlich. Die Studenten rechtfertigten die Gewalt gegen derartige "der Repression dienenden Organe [4] " als ein legitimes Recht des Widerstands. Diese symbolische Gegengewalt schloss allerdings jede Gewalt gegen Personen aus. Sie war ein taktisches Moment, eine logische Folge der Provokationsstrategie. Sie machte die verschleierte Gewalt der Gesellschaft sichtbar, und gleichzeitig verfolgte die Gegengewalt ein erzieherisches Ziel. Sie war jedoch kein Ziel an sich. Dieser Grundsatz wurde zum ersten Mal am 4. November 1968 bei der "Schlacht am Tegeler Weg [5] " erschüttert, die ein Vorbote der gewalttätigen Demonstrationen der 1970er Jahre war: Stundenlang bekämpften sich Studenten und Polizisten in jener Berliner Straße. Die traurige Bilanz: 130 Polizisten und 21 Demonstranten wurden verletzt.

In diesem von Angst und Gewalt geprägten Klima organisierte der SDS seine letzten großen politischen Kampagnen, bevor er sich am 21. März 1970 endgültig auflöste. Die Kampagnen gegen den Springer-Konzern, gegen den Krieg der Amerikaner in Vietnam und gegen die Notstandsgesetze wurden innerhalb der "Kritischen Universität [6] " vorbereitet. Die von den Studenten selbstverwaltete Gegen-Universität war am 1. November 1967 in Berlin gegründet worden. Ihr Ziel bestand darin, großen gesellschaftlichen Gruppen – Arbeitern, Gymnasiasten, Lehrlingen und Polizisten beispielsweise – politische Bildung zu vermitteln und sie in die Organisation der politischen Praxis einzubinden.