- Der Rhein als Konfliktthema zwischen deutschen und französischen Historikern - Für eine Geschichte der Grenzmentalitäten in der Zwischenkriegszeit
- Didaktische Relevanz
- Fragestellung
- Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln
- Vom Einfluß der Stereotypen
- Krieg und Pazifismus im Frankreich der 1930er Jahre - Beispiel Canard enchaîné
- Krieg und Propaganda im Simplicissimus nach 1933
- Das Bild des Anderen in der satirischen Propaganda
- Bibliographische Hinweise
- Spielball der Rivalen: Elsass und Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland
- Der Elsässer Jean-Jacques Waltz alias Hansi und seine anti-deutschen Texte und Bilder als Medien im Geschichtsunterricht
- Lieux de mémoire: Politischer Totenkult in Frankreich und Deutschland
- Krieg und Aussöhnung
'Quelle 8: Die Darstellung Franz Schnabels über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1926 und 1927 identisch) '
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Ultimatum, Mobilmachungen und Kriegserklärung
[...] Deutschlands Bestreben ist, den Krieg auf Serbien zu lokalisieren, also Rußlands Mobilmachung aufzuhalten und dadurch einen allgemeinen Weltbrand zu verhüten. Es lehnt zwar einen englischen Vermittlungsvorschlag ab, weil er die Frage vor einen europäischen Kongreß bringen will, und was dies bedeutete, hatte man in Algeciras gesehen. Dagegen unterstützt Deutschland eine zweite Aktion Greys, die einen unmittelbaren Gedankenaustausch zwischen Rußland und Österreich herbeizuführen sucht auf der Grundlage der von Österreich gegebenen Erklärung, daß es kein serbisches Gebiet erstrebe. Die Verhandlungen sind noch im Gange, da zerstört die russische Mobilmachung (31. Juli) alle unternommenen diplomatischen Schritte und jede Aussicht auf Erhaltung des Friedens. Jetzt richtet die deutsche Regierung an Rußland ein Ultimatum, das die Einstellung jeder Kriegsmaßnahme gegen Deutschland und Österreich binnen zwölf Stunden verlangt; Frankreich wird von dem Ultimatum in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, sich zu erklären, ob es in einem deutsch-russischen Kriege neutral bleiben wolle. Als das Ultimatum unbeantwortet bleibt, erfolgt am 1. August Deutschlands Kriegserklärung an Rußland, am 3. August Deutschlands Kriegserklärung an Frankreich. Daß die formelle Kriegserklärung nichts für die Urheberschaft eines Krieges beweist, bezeugt die Weltgeschichte an vielen Stellen; auch daß der Krieg letzten Endes nicht aus dem serbischen Konflikt und aus dem österreichischen Ultimatum entstanden ist, ergibt sich aus dem Unterschiede, der zwischen Ursache und der Veranlassung eines Krieges zu machen ist. Der Krieg war begründet in der ganzen europäischen Lage, wie sie seit Bismarcks Entlassung sich herausgebildet hatte und aus der es einen Ausweg nicht mehr zu geben schien. Druck und Gegendruck standen widereinander. Bei jeder Streitfrage der letzten Jahre hatte der Friede an dünnem Faden gehangen: ein kleiner Fehler, und der Weltkrieg wäre schon damals losgebrochen. [Vorwürfe an Österreich, das sich auf das Bündnis mit Deutschland verläßt und verschiedentlich Drohungen ausspricht] [Zum Problem der Schuld am Kriegsausbruch :] verhängnisvoll war es auch, daß die deutsche Regierung Österreich zu selbständig vorgehen lassen mußte, weil dieses im Bunde mit Deutschland das Gesetz des Handelns vorschrieb. Auf der russisch-französischen Gegenseite sind solche Irrtümer nicht unterlaufen, weil man dort entschlossen war, den serbischen Vorgang entweder zur völligen Demütigung Österreichs oder zur Herbeiführung des Krieges zu benutzen. Der Aufenthalt Poincarés in Petersburg ermöglichte Mitte Juli die letzten gemeinsamen Vorbereitungen. Die Haltung Rußlands ist offenkundig, und Frankreich hat den Verbündeten angetrieben und bestärkt. [über England]
Aus: SCHNABEL (Dr. Franz), Grundriß der Geschichte für die Oberstufe. Teil IV Geschichte der neuesten Zeit. Leipzig, Berlin, Teubner, 6. Ausgabe 1926, 168 S. [S. 110/111] Der wiedergegebene Textausschnitt ist in der Ausgabe von 1927 unverändert.