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'Le couronnement impérial'
 
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Le couronnement impérial

Unterrichtsmaterialien zu diesem Kapitel: siehe Dokument 3 [1]

Was ereignete sich genau in jenen Monaten, Wochen und Tagen vor der Kaiserkrönung des Frankenkönigs Karl in Rom an jenem denkwürdigen ersten Weihnachtstag des Jahres 800? Welche Motive der wichtigsten Protagonisten, welche politischen Hintergründe waren von Belang? Die keineswegs eindeutige und widerspruchsfreie Quellenlage ergibt ein facettenreiches Gesamtbild, das dem späteren Betrachter zwar eine Reihe von Rätseln aufgibt, ihm aber dennoch erlaubt, sich ein einigermaßen fundiertes eigenes Urteil zu bilden (vgl. Bührer-Thierry: 36ff.). Unterstreichen die annales royales zunächst die große, fast übertriebene Zuvorkommenheit des Papstes Leo III. bei seinem Empfang Karls, für die keinerlei Motiv ersichtlich ist, so überrascht die Darstellung Einhards mit dem Hinweis, der frisch gekrönte Kaiser habe über den Verlauf der Krönung eine große Unzufriedenheit empfunden und geäußert. Die Hinzunahme zweier weiterer Quellen gestattet es, Einhards Bericht zu relativieren und weitere wichtige innere und äußere Aspekte der Kaiserkrönung Karls zu verstehen. Wie den Lorscher Annalen zu entnehmen ist, handelte es sich bei dieser Krönung keineswegs um einen Alleingang des Papstes Leo, sondern um die Ausführung eines Konzilsbeschlusses, der offenbar im Namen des "ganzen Christenvolkes" gefasst wurde und für den handfeste politische und juristische Argumente sprachen. War es nicht Gottes Wille, jenem auch den Kaisertitel zu verleihen, der tatsächlich über die Kaiserresidenzen des römischen Imperiums herrschte, zumal an der Spitze des oströmischen Reiches eine Frau stand? Aus naheliegenden Gründen ist in dem oströmischen Bericht von einem Wunsche des "Christenvolkes" nach einem Kaiser nicht die Rede. Ungeachtet seiner Tendenz, die Strategien der Machterhaltung und -erweiterung aufzudecken, die Leo III. und Karl verfolgten, decken sich jedoch seine Aussagen in den entscheidenden Punkten mit den übrigen Darstellungen. Unter Berücksichtigung aller vier Quellen bleiben kaum Zweifel an der Darstellung der Lorscher Annalen bestehen, Karl habe sich der an ihn herangetragenen Bitten "nicht entziehen" wollen und "in aller Demut" den Kaisernamen angenommen, war ihm und seinen Ratgebern doch ein politisches und diplomatisches Meisterwerk geglückt, das der fränkischen Herrschaft im westlichen Europa weite Horizonte eröffnete. 

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