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'Politische und sozioökonomische Hintergründe der Restrukturierungen '
 
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Politische und sozioökonomische Hintergründe der Restrukturierungen

Seit Ende der 1970er Jahre existierten die ersten Planungen für den Plan Programme de l’Est, der am 23. November 1983 im Stadtrat verabschiedet wurde. Dieser Entwicklungsplan zur Herstellung des Gleichgewichts für den Pariser Osten stellt den Rahmen für alle städtebaulichen und planerischen Aktivitäten in den jeweiligen Arrondissements oder Quartiers dar. Das Gebiet erstreckt sich von der Porte de Gentilly zur Porte de Saint-Ouen und beinhaltet die Place d’Italie, den Kanal Arsenal, die Place de la Bastille, die Place de la République sowie die Bahnhöfe Nord und Ost. Es umfasst 3.900 ha, 45% der Fläche von Paris (ohne die Parks von Boulogne und Vincennes) und etwa 1 Mio. Einwohner sowie 30% der Arbeitsplätze in Paris.

Die Gründe für die Erstellung dieses Plans waren vielschichtig (vgl. APUR 1987: 10ff.). Zum einen wurde durch private Investoren, aber auch durch städtische Initiativen in den 1960er und 1970er Jahren der Pariser Osten mit zum Teil prunkvollen Baumaßnahmen erheblich renoviert. Der Plan diente somit der Unterstützung und Koordinierung dieser Projekte, um einen ganzheitlichen Erfolg zu erzielen. Zudem verstärkte sich eine fortschreitende Polarisierung des westlichen und des östlichen Teils der Stadt, wobei im Osten ein vergleichsweise hoher Erwerbsbevölkerungsanteil zum niederem tertiären Sektor und zur Arbeiterschicht zählte. Das Programm umfasste Maßnahmen im Bereich öffentlicher Plätze und Einrichtungen, Wohnungsbau und Unterstützung der ansässigen Unternehmen. Der Staat sicherte die Finanzierung für die Grands Projets und den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Stadt Paris initiierte über Public-Privat-Partnerships [1] städtebauliche Projekte und trug einen großen Anteil der Finanzierung mit. So entstand in dem Pariser Osten ein „Experimentierfeld für Architektur und Städtebau der achtziger und neunziger Jahre“ (PARAVINCI 1999: 405).

Nicht nur der Plan Programme de l’Est ist für die Neugestaltung der Brachfläche von Bercy verantwortlich. Eine Reihe weiterer Faktoren, die im Folgenden benannt werden, trug zu der Entwicklung bei.

Neubau des Finanzministeriums

Um das Musée du Louvre [2] vergrößern zu können, musste das französische Finanzministerium [3] ausgelagert werden. Damit wurde der Neubau zu einer der großen Baumaßnahmen Anfang der 1980er Jahre unter dem Staatspräsidenten Francois Mitterrand. Die Entscheidung für Bercy fiel im Zusammenhang mit der Aufwertung des Pariser Ostens, aber auch mit dem Hintergedanken eines neuen tertiären Pols innerhalb der Stadtgrenzen. Nachdem sich der tertiäre Sektor um die Gare de Lyon bereits seit den 1960er Jahren entwickelt hatte, stärkt diese Entscheidung das Quartier.

Abbildung 6:

Le Ministère de l'Economie et des Finances à Paris
Architectes: Paul Chemetov et Borja Huidobro

 

 

Internet-Quelle [4]

Entwicklung des tertiären Sektors im Pariser Osten

Das Gebiet Gare de Lyon [5] / Bercy soll sich als Geschäftsviertel im Osten entwickeln. Dabei spielt besonders die Lage „innerhalb der Stadtmauern“, intra muros, eine wichtige Rolle im Kampf gegen die extremen Abwanderungen der Unternehmen in die Petite und Grande Couronne. Zudem entwickelt sich das traditionelle Pariser Geschäftsviertel „Das Goldene Dreieck“ im Zentrum der Stadt aufgrund der Immobilienpreise und der Konkurrenz von La Défense eher rückläufig.

Abbildung 7:

Halle des Gare de Lyon mit dem berühmten Bahnhofsrestaurant
„Le Train Bleu“

 

 

Internet-Quelle [6]

Die Gateway-Lage von Bercy

Die Zone Seine Süd-Ost befindet sich auf der Transportachse zwischen den internationalen Flughäfen [7]  Roissy Charles-de-Gaulle im Norden und Orly im Süden. Zudem liegt sie auf der Entwicklungsachse in das östliche Umland, in dem sich die bevölkerungsreiche und ökonomisch wachsende Ville Nouvelle de Marne-la-Vallée [8]  (cf. auch Beitrag Paal/Pletsch [9] ) befindet.

Brachflächen

Durch die veränderten Lagerbedingungen des Weins und die allmähliche Abwanderung der Weinhändler aus Bercy blieb in den 1970er Jahren eine Brachfläche übrig, die von dem über hundertjährigen Handelstreiben gezeichnet war. Verfallene Lagerhallen, modrige Weinfässer und Gleisanlagen waren die letzten Zeugen dieser Epoche. Fast alle neuen Stadtumbauprojekte entstanden auf Arealen wie Eisenbahntrassen und Bahnhöfen, Güterdepots, Lagerhäusern und Industrieanlagen. Ziel der Zuweisung neuer Funktionen und des Generierens eines neuen Images ist es, die mosaiken Stadtteile wieder zusammenzufügen (CHAPEL 1991: 51).

Suburbanisierung

Die Stadt Paris büßt immer mehr Bevölkerung ein. Die Ursachen sind neben der Suburbanisierung in dem außergewöhnlichen Anstieg der Immobilienpreise bzw. Grundstückspreise zu suchen. Die Teuerungsrate der Mietpreise wurde durch private Promotion und das Vertreiben von Mietern aufgrund der städtischen Renovierungsprogramme bewirkt. Um ein Ausbluten zu verhindern, engagierte sich die Stadt mit sozialem Wohnungsbau. Jedoch spielt dieser in Paris nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle (PAAL 1996: 439). Bemerkenswert ist deshalb, dass der Anteil an sozialem Wohnungsbau in Bercy besonders hoch ist.

Festivalisierung

In der Tradition einer Weltstadt versucht auch Paris mit Hilfe von Großveranstaltungen das Image bzw. die Außendarstellung zu beeinflussen. In den 1980er Jahren standen im Rahmen der Bewerbungen für die Weltausstellung 1989 und den Olympischen Spielen 1992 zwei prestigeträchtige Ausschreibungen an. Für die Wettbewerbsteilnahme sollten die attraktiven Gebiete im Osten nördlich und südlich der Seine aufgewertet werden. Dies fügte sich hervorragend in die Stadtentwicklungsplanung zur Gleichstellung des Ostens ein und garantierte somit ein nachhaltiges Handeln der Stadt. Das Palais Omnisports Paris Bercy (POPB [10] )wurde mit diesem Hintergedanken geplant und errichtet. Die Bewerbungen waren erfolglos, dennoch zeigt sich der Trend der Festivalisierung als Unterstützung zu Sanierungsmaßnahmen. 

Abbildung 8:

Palais Omnisports de Paris Bercy (POPB)

 

 

 

 

Quelle: MAIRIE DE PARIS 2000