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Adresse der Saarbrücker Stadtverordneten vom 10. März 1848

Vgl. Peter Burg, Saarbrücken im Aufstieg zum Zentrum einer preußischen Industrieregion (1815-60), in: Rolf Wittenbrock unter Mitarbeit v. Marcus Hahn (Hg.), Geschichte der Stadt Saarbrücken, 2 Bde. Saarbrücken 1999, Bd. 1, S. 519-616, hier: S. 536.

Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König! Allergnädigster König und Herr!
Noch einmal hat die Weltgeschichte ihr Richteramt geübt, noch einmal hat sie die große Lehre verkündet, daß nicht Wälle und Bajonette, sondern die Herzen des Volkes das Bollwerk der Regierungen sind. Eine Revolution von drei Tagen hat genügt, um eine verblendete, egoistische Regierung in Frankreich zu vernichten. Der Deutsche kann sich freuen über den Sieg seines Nachbarvolkes; er kann die Mäßigung bewundern, mit der dieses Volk bis heran sich selbst beherrscht. Allein die Vorsicht, die Liebe zum eigenen Vaterlande gebieten ihm, gerüstet und stark zu sein, wenn die einmal vorhandene Bewegung überfluten und einen einzigen Fußbreit von den Grenzen unseres deutschen Vaterlandes gefährden, streitig machen sollte.
Aber - Glied eines großen, in Einigkeit unbezwinglichen Volkes - sieht sich der Deutsche vergebens nach einer gemeinsamen Fahne um, um die er sich scharen könnte, tastet er vergebens nach einem Bande, welches die Kraft der einzelnen Glieder verbände. Denn „der hohe deutsche Bund“ - so spricht ein deutscher Fürst - hat die gerechten Erwartungen der Nation auf nationale Geltung bisher nicht erfüllt; es ist betrübend, aber wahr, ihm fehlt das Vertrauen der Nation, und die tiefe Kluft, die er durch seine Tätigkeit wie seine Untätigkeit während 33 Jahren zwischen sich und dem Herzen des Volkes eröffnet hat, wird durch die schönen Worte nicht ausgefüllt, die er in diesen Tagen an die Nation gerichtet. Dieser Zustand ist verhängnisvoll für Deutschland, besonders für uns, die wir an den äußersten Grenzen des gemeinsamen Vaterlandes das Bedürfnis eines einigen, zum Schutze aller seiner Kinder gekräftigten Deutschlands vielleicht tiefer und lebendiger empfinden, als im Herzen des Landes selbst. [...] Königliche Majestät! Wir sind die Bewohner der äußersten Grenzstadt Ihres Reiches. An unsern Fluren ragen Frankreichs Berge mit der Fahne der Freiheit. Sie lockt uns nicht; unsere Herzen schlagen für Deutschland - für Deutschland, wie es heute noch nicht ist, aber wie es sein wird und hervorgehen wird aus diesen Tagen der Prüfung durch Freiheit, Einigkeit und die Kraft seiner Völker. Möge Ihren Bestrebungen Gehör nicht versagt werden!

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