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Einleitung

"Das Viertel war trist, proletarisch und wenig gesund, es wies noch einige Spuren von Land auf, die mehr beunruhigend als ländlich wirkten. An der Grenze der ehemaligen Dörfer Montrouge und Vaugirard gebaut, hatte es wahrscheinlich aus Spott den Namen Plaisance bekommen, denn seine Straßen waren dunkel und eng, und es verbarg ziemlich viele Sackgassen, Gäßchen und finstere Hotels. Einige Schritte vom Haus entfernt führte die Rue de Château mittels einer düsteren Brücke über die Westeisenbahn und endete abschüssig auf dem Boulevard Pasteur, in einer Szenerie des Verbrechens." (Quelle: Thirion, in: Liehr 1990)

Abbildung 1:

Wohnverhältnisse im Montparnasse-Viertel zur Mitte des 19. Jh.

 

 

 

 

Quelle: Cabanne 1988, S. 364

Obwohl vieles von dem, was hier so effektvoll als eines der Pariser Arbeiterviertel, nämlich jenes an der Gare Montparnasse, beschrieben worden ist, spätestens in den 1970er Jahren der Sanierung und somit der Spitzhacke überantwortet wurde, findet man in der Pariser Kernstadt immer noch alle Merkmale des Stadtverfalls. Montparnasse, Belleville oder Goutte d'Or sind jene Stadtteile, in denen sich ein Großteil jener 300.000 Wohnungen befindet, denen auch heute noch zumindest eines der drei Hauptkriterien einer Komfortwohnung - Fließwasser, Bad, Zentralheizung - fehlt.
In Frankreich fällt ein Drittel aller Wohnungen in diese unterste Ausstattungskategorie. Eine grundlegende Bestandsaufnahme der Pariser Wohnungen im Zuge des S.D.A.U. (Schéma Directeur d'Amémagement de d'Urbanisme de la Ville de Paris) in den 1960er Jahren ergab, dass rund 70 % der 1,3 Mio. Wohnungen in der Seinemetropole mehr als dreißig Jahre alt waren. Das Baualter wirkte sich selbstverständlich auf den Zustand der Wohnungen und den Wohnkomfort aus. 36 % der Wohnungen waren zum Erhebungszeitpunkt ohne Bad, bei einem Drittel befand sich die Toilette außerhalb der Wohnung. Ausgehend von einer durch das staatliche Statistikbüro I.N.S.E.E. festgelegten Norm von zwei Räumen pro Ehepaar und einem zusätzlichen Raum pro Kind waren 41 % der Pariser Wohnungen überbelegt.
Die Folgen des schlechten Zustandes der Bausubstanz sind evident. Aufgrund der relativ erschwinglichen Mieten wandeln sich diese Quartiere in Hauptwohngebiete einheimischer Unterschichtsbevölkerung und der ausländischer Zuwanderer. Für Mieter mit ausreichendem Eigenkapital zur Wohnraumsanierung verlieren diese Viertel jedoch an Attraktivität. Sie wandern in "bessere" Stadtteile oder ins Umland ab und überlassen die immer rascher verfallenden Häuser den Immigranten, die in erster Linie an billigem Wohnraum interessiert sind.
In der Folge kommt es zu flächenhaften Verslumungserscheinungen, die in engem Zusammenhang mit der steigenden Mobilität wohlhabender Teile der Bevölkerung und wirtschaftlicher Prosperität stehen. Die Situation verfallener Stadtviertel ändert sich schlagartig, wenn diese "wiederentdeckt" werden - sei es von der Stadtverwaltung selbst, von Planern oder von einem jungen, zahlungskräftigen und urban gesinnten Publikum, das die Stadtmitte wieder als Wohnstandort bevorzugt und Renovierungsarbeiten initiiert.

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