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'Einleitende Vorbemerkung'
 
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Einleitende Vorbemerkung

"Und nun hören Sie den Wetterbericht für Saar-Lor-Lux und Rheinland-Pfalz" - diese Radioansage des Saarländischen Rundfunks ist für die Hörer im Grenzraum seit einiger Zeit eine Selbstverständlichkeit, so wie sie, ohne auch nur anzuhalten, über die Grenze fahren, für Einkäufe, aus geschäftlichen Gründen oder als Touristen. Mit dem Schengener Abkommen [1]  und dem Maastricht-Vertrag [2]  setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, Grenzen seien nur noch Relikte oder "Narben der Geschichte" - so einst der französische Politiker Georges Bidault [3]

Diesen Eindruck spiegeln auch einige Fotos wider:

Abbildung 1/2:

Der Vergleich des Grenzübergangs zwischen dem saarländischen Nassweiler und dem lothringischen Rosbruck
aufgenommen 1981 (li.) und 1989(re.) (Aufn.: Brücher)

Abbildung 3: 

In Leidingen bei Saarlouis geht die Grenze, praktisch funktionslos geworden, mitten durch ein Dorf - man beachte den Namen "Neutrale Straße". (Aufn.: Brücher)

 

 

Abbildung 4:

Beim Wandern in den Wäldern nimmt man die Grenze nur noch zufällig an vermoosten Grenzsteinen wahr. (Aufn.: Brücher)

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 5:

Manchmal nimmt die Grenze sogar groteske Züge an... (Aufn.: Saarbrücker Zeitung, Okt. 1989)

 

 

 

 

 

 

 

Im Französischen gibt es für dieses Verblassen bzw. für das Verschwinden von Grenzen eine neue Wortschöpfung: "défrontiéralisation". Trotzdem ist es nicht zu übersehen, dass Grenzen sehr wohl fortbestehen, wenn auch als völlig anderes Phänomen als zur Zeit der verhassten Schlagbäume (Abb. 5). Als Beispiel nehmen wir wieder den Wetterbericht: Es brauchte eineinhalb Jahre zäher Verhandlungen, bis der Saarländische Rundfunk ihn auch tatsächlich senden durfte. Dabei sollte man genau umgekehrt erwarten, dass gerade im Saar-Lor-Lux-Raum die Grenzen eher fallen als in anderen Gebieten. Ist es doch der Raum in Westeuropa, wo sie im Laufe der letzten Jahrhunderte am häufigsten verschoben wurden, wo sie weniger als woanders Zeit hatten zu verkrusten.

Abbildung 6:

Das Ende der Schlagbäume...
"Ich habe eine gute Nachricht für sie, wir brauchen sie nicht mehr."

 

 

 

(Karikatur: Plantu 1992)

Könnte und sollte Saar-Lor-Lux nicht - vielleicht gerade deshalb - zu einer der Modellregionen für das vielzitierte "Europa der Regionen [4] " werden? Da die Nationalstaaten die Fortentwicklung der EU aus bekannten Gründen behindern, will diese die regionale Ebene, also die régions in Frankreich, die autonomías in Spanien oder unsere Bundesländer besonders fördern, um den Zusammenschluss zu vereinfachen. Außerdem will man die Regionen stärken, damit sie nicht in den Schatten der direkten politischen Abmachungen zwischen den Staaten und der EU geraten und ihre mühsam errungenen autonomen Kompetenzen teilweise (wieder) verlieren. Vermutet werden dahinter auch Bestrebungen von Brüssel, mit der Aufwertung der Regionen zugleich die Nationen zu schwächen und der EU damit mehr Macht zu verschaffen. Einleitende Vorbemerkung. 

Eine besondere Rolle in diesem Stärkungsprozess schreibt man, aus regionaler Perspektive, aber auch aus der Sicht von Brüssel, den grenzübergreifenden Regionen zu (Abb. 6), da sie Ansätze bieten, die jeweils beteiligten Staaten zu verbinden und das starre Netz der alten nationalen Grenzen aufzuweichen. Solche "Grenzregionen" werden damit zum Wunschbild von Vorreitern der europäischen Integration.

Abbildung 7:

Grenzüberschreitende Regionen in Europa