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'Der Erste Weltkrieg als Einbruch'
 
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Der Erste Weltkrieg als Einbruch

Mit dem Weltkrieg erlebte dieser vielfältige Austausch einen fatalen Einbruch. Der militärische Konflikt mit seinen Polarisierungen mobilisierte nicht nur die Intellektuellen und Politiker in einem bis dahin nicht vorstellbaren Maße, sondern überformte das allgemeine, breite Schichten der Bevölkerung durchdringende Bild des anderen, indem er es nach dem Muster des Erbfeindes ausrichtete. Indessen brach der kulturelle Austausch zwischen beiden Ländern trotz des verheerenden Krieges und des darauf folgenden Boykotts der offiziellen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen keineswegs ab. Zu sehr waren die Entwicklungen ineinander verwoben, zu sehr mobilisierten auch die Abgrenzungen und Gegenüberstellungen das jeweilige Selbstverständnis, zu genau waren die mittelfristig akkumulierten Kenntnisse, zu eng auch die privaten Verbindungen in der Oberschicht der Künstler, Intellektuellen und Akademiker. So verfolgte man diesseits und jenseits des Rheins die jeweiligen Bestrebungen, Veränderungen, Neuentwicklungen des anderen mit großer Aufmerksamkeit.

Abbildung 12:

Emil Mayrisch, ein luxemburgischer Großindustrieller, der 1926 ein "Deutsch-Französisches Studienkomitee" gründete, dem führende Vertreter der Großindustrie, der Kultur und der Politik angehörten.

 

 

 

 

 

Internet-Quelle [1]

Das fand zunächst auf privater Ebene statt, auf Initiative von Mittlerpersönlichkeiten wie André Gide [2] , Bernhard Groethuysen, Romain Rolland [3] . Daneben sind jedoch, vor allem nach Locarno, die Bemühungen von offiziösen Zirkeln wie dem sogenannten Mayrisch-Komitee [4] , der Deutsch-Französischen Gesellschaft und der Ligue d'Etudes Germaniques anzuführen, die sich offen für einen Neubeginn der Beziehungen einsetzten, sowie das Interesse an deutsch-französischem Dialog, das sich in christlichen Netzwerken, in Kreisen wie dem von Pontigny äußerte, wo man zunehmend auch deutsche Schriftsteller und Intellektuelle einlud. In Deutschland waren zahlreiche führende Köpfe der geistigen und literarischen Welt, vor allem die überzeugten Anhänger der Weimarer Republik, an Kontakten mit Frankreich interessiert. In dieser Zeit wurden auch der akademische Austausch offiziell gefördert und die ersten offiziellen Strukturen für Studenten wie für Hochschullehrer geschaffen (man denke etwa an die Gründung der DAAD-Außenstelle [5] Paris 1930/31). Nicht zu unterschätzen sind schließlich die Aktivitäten mitgliederstarker Vereine wie z. B. der Kriegsopferverbände, die gegenseitige Begegnungen und Gedenkveranstaltungen organisierten.

Die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten in Deutschland hatte zwar eine erste Welle der Emigration von politisch verfolgten Regimegegnern nach Frankreich zur Folge, zog zunächst aber kaum Veränderungen der gegenseitigen Kulturpolitik nach sich. Vielen französischen Kennern der deutschen Szene dämmerte erst langsam, welche politische Katastrophe sich abzeichnete, zumal etwa die Pazifisten Hitlers Politik der Revision des Versailler Friedens wenn nicht guthießen, so doch weitgehend verständnisvoll aufnahmen. Immerhin sorgte die Präsenz prominenter Exilanten nicht nur kommunistischer und sozialdemokratischer Richtung, sondern von Repräsentanten vieler literarischer Schattierungen und künstlerischer Strömungen, dazu auch immer mehr jüdischer Intellektueller, für eine Intensivierung der Kulturkontakte. Ihre publizistischen Unternehmungen wie das "Pariser Tagblatt" und die "Pariser Tageszeitung", aber auch ihre Ausstellungen, Kongresse, Bildungsanstalten und Vortragsreihen stellten wichtige Urmschlagplätze des Kulturtransfers dar. Und aus ihren Reihen stammten Großprojekte der künstlerischen Aneignung des NachbarIands wie Heinrich Manns Heinrich IV und Walter Benjamins Passagenwerk.