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'Resümee: Wandel und Kontinuitäten hugenottischer Identitäten'
 
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Resümee: Wandel und Kontinuitäten hugenottischer Identitäten

Wie gezeigt werden konnte, veränderten sich die Sicht von Außen auf die Hugenotten und deren Identitäten im Verlaufe der betrachteten zweihundertfünfzig Jahre kontinuierlich: aus französischen Religionsimmigranten mit einer spezifischen Flüchtlingsidentität, die aus dem Wunsch nach Frankreich zurückzukehren resultierte, wurden im 18. Jahrhundert preußische Bürger, die mit Stolz auf ihre Teilhabe an der französischen Kultur erfüllt waren, und schließlich im 19. und 20. Jahrhundert die besten Deutschen, die den Aufstieg Preußens, des Deutschen und des Dritten Reiches mitbewirkt zu haben glaubten. Aus einer mehrheitlich diskriminierten Minorität wurde eine allgemein anerkannte Modernisierungselite und schließlich eine allseits positiv bewertete Minderheit. Im rassistischen NS-Staat galt sie wegen dieser Wertung sogar als "germanischstämmig", denn eine positive Bewertung einer genuin nicht-deutschen Minderheit konnte aufgrund der rassistischen Basis der NS-Ideologie nur über den Umweg einer "rassisch einwandfreien" Abstammung, das heißt hier einer "germanischstämmigen" Herkunft, erfolgen.

Neben dem kontinuierlichen Wandel der Identität gab es jedoch auch Vorstellungen und Verhaltensmuster, die über Generationen hinweg bei den Hugenotten erhalten blieben: Ich denke vor allem an jene Loyalität, die sich als fester Bestandteil hugenottischer Identitäten gegenüber jeder staatlichen Obrigkeit der untersuchten 250 Jahre grundsätzlich manifestierte. kulturelle Identität scheint demnach - und dies gilt nicht nur für die untersuchte Gruppe der Hugenotten - trotz aller ihr innewohnenden Dynamik stets von Elementen mitgeprägt, die - wenn sie denn tatsächlich einem Wandel unterliegen - sich derart langsam verändern, dass ein Zeitraum von 250 Jahren zu kurz gegriffen ist, um diesen Wandel zu erfassen. Eine Veränderung bedarf jedoch nicht nur der Zeit, sondern auch bewusster äußerer wie innerer Anstrengungen, wie der Wandel hin zum toleranteren Umgang mit den Hugenotten vom 16. zum 17. Jahrhundert gezeigt hat.

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