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'Der Sonderfall Straßburg. Herkunft der deutschen Einwanderer nach Staatsangehörigkeit: Badener, Württemberger, Preußen, Sachsen, Pommeraner.'
 
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Der Sonderfall Straßburg. Herkunft der deutschen Einwanderer nach Staatsangehörigkeit: Badener, Württemberger, Preußen, Sachsen, Pommeraner.

Herkunft der deutschen Bevölkerung in Straßburg aus den angrenzenden Ländern



  1880 1895 1910


Gesamtzahl % der deutschen Bevölkerung Gesamtzahl % der deutschen Bevölkerung Gesamtzahl % der deutschen Bevölkerung

Badener 7 418 24 10 692 24 12 984 26
Württemberger 3 374 11 5 630 12,7 5 458 11,5
Pfälzer 2 277 7 2 859 6,4 13 688 7,4
Hessen 785 2,5 1 418 3,2 1 235 2,5




  (Quelle: Statistische Mitteilungen über Elsass-Lothringen)

Abbildung 8:

Das deutsche Reich 1871 [1] : Staaten und Bevölkerung

 

 

 

 

Quelle: Uberfill, 2001

Abbildung 9:

Die Bevölkerung des deutschen Reiches 1871

 

 

 

 

 

Quelle: Uberfill 2001

In den ersten Jahren des Reichslands gibt es eine eindeutige Vorherrschaft des preubischen Elements mit 41,5% der sog. "Altdeutschen" . Vier Fünftel davon sind männlichen Geschlechts: mehr als jeder zweite ist Militär. Doch fast die Hälfte stammt aus der Rheinprovinz [2] , einem den Strabburgern besser bekannten und mit weniger negativen Vorurteilen behafteten Gebiet. Nur 3% kommen aus der östlichen Provinz, 5% aus Schlesien, 8% aus den sächsischen Provinzen. Fast gleichgroß wie aus den preußischen Provinzen ist die Zahl der Immigranten aus den angrenzenden Ländern (41%): Badener, Württemberger und Pfälzer. Unter ihnen sind nur wenige Militärs. Das weibliche Geschlecht ist dagegen mit 55% in der Überzahl.

Was ist ein Altdeutscher?
In den statistischen Erhebungen des Reichslands Elsass-Lothringen bezeichnet der Begriff "Altdeutsche" jene Deutschen, die nach 1870/71 aus dem Gebiet des Deutschen Reichs eingewandert sind. Konsequenterweise wäre die Bevölkerung Elsass-Lothringens als "Neudeutsche" zu bezeichnen, da sie mit der Annexion deutsche Staatsbürger geworden waren. Allerdings wird diese Bezeichnung in der Statistik nicht verwandt. Für die autochthone Bevölkerung wird offiziell die Bezeichnung "Elsaß-Lothringer" üblich.

Lässt man das Kriterium der Nationalität beiseite und betrachtet die Einwanderer nur hinsichtlich ihrer geographischen Herkunft, so stellt man fest, dass die Deutschen überwiegend aus dem Gebiet entlang des (Ober-)Rheins stammen, konkret einem durch Rhein, Main und Schwarzwald abgegrenzten Raum. Diese Oberrheinländer nährten schon seit 1820-1830 einen Einwanderungsfluss nach Strabburg. Zwischen dem oberrheinischen Gebiet und Strabburg, einer Handels- und Dienstleistungsstadt, sind auf diese Weise Nachbarschaftsbeziehungen entstanden und während der Friedenszeit vor 1870 hatten sich zahlreiche sowohl wirtschaftliche als auch kulturelle Beziehungen entwickelt. Es kam hinzu, dass, mit Ausnahme der Württemberger, die dominierende Religion ihrer Heimatstaaten die katholische Konfession war. So wiesen die Rheinländer eine Reihe von Charakterzügen auf, die im Strabburger Schmelztiegel auf gewisse Gemeinsamkeiten trafen.

Am Ende des Jahrhunderts (Volkszählung 1895) hat sich die Situation kaum verändert. Der Anteil der "Altdeutschen" betrug nunmehr 33%. Die preubische Vorherrschaft hatte sich noch verstärkt. Diese Nation war mit etwa 20.000 Menschen vertreten und herrschte über die Garnison. Der Anteil der benachbarten Länder ist dagegen mit rd. 45 % relativ gleich geblieben. Die Volkszählung von 1910 lässt jedoch einige Veränderungen erkennen. Während das preubische Element mit 22.000 Menschen nach wie vor die Spitzenposition einnimmt, verringert sich ihr Prozentsatz unter den "Altdeutschen" (40,7%) spürbar, während der Anteil der Badener bedeutend gröber geworden ist. Zieht man nur die Zivilbevölkerung in Betracht, so bildeten die Badener zu diesem Zeitpunkt die in Strabburg am stärksten vertretene Gruppe. Die Zunahme ihrer Nachbarn (Württemberger, Pfälzer, Hessen) verlief nicht annähernd so dynamisch.

So wird am Ende des Reichslands deutlich, dass es die Preuben, die seit 1871 die gröbten Einwandererströme bildeten, weniger nach Strabburg und im allgemeinen ins Elsass zieht, und dass ihr Zustrom deutlich nachlässt. Aus den angrenzenden Ländern werden dagegen weiterhin grobe Kontingente von Immigranten nach Strabburg gelockt. In den letzten Jahren des Reichslands sind die Nahwanderer bedeutend zahlreicher als die Fernwanderer.

Wie hat die elsässische Bevölkerung auf diesen massiven, andauernden Zufluss von ausländischen Elementen (1905 zählte man in Strabburg beinahe 70.000 "Altdeutsche") reagiert? Hat sie sich gegen die Aubenwelt abgeschottet, sich von den Neuankömmlingen abgewendet? Oder hat sie, nachdem sie den Schock der Niederlage und des Anschlusses überwunden hatte, die Beziehungen mit ihnen aufgenommen? Aus den Untersuchungen über die Eheschliebungen zwischen deutschen Einwanderern und Elsässern kann man diese Frage teilweise beantworten.