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'Résistance en France'
 
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Der Begriff "Résistance [1] " bezeichnet eine Vielzahl von Gruppen und Bewegungen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zunächst unkoordiniert entstanden. Zwischen La France libre von de Gaulle [2] und anderen in Frankreich tätigen Gruppen bestand anfangs kaum eine Verbindung. Die kaum zwei Dutzend Getreuen, die sich im Juni 1940 um de Gaulle in London scharten, gründeten La France libre, der sich über die Welt zerstreut nach und nach Komitees anschlossen. Die Bewegung versuchte, alle politischen und religiösen Divergenzen auszuklammern, Aktionsprinzip war die Befreiung Frankreichs, um dem französischen Volk wieder eine freie Entscheidung über seine politische Zukunft zu ermöglichen. Vorrang hatten Frankreich, das Vaterland, Ehre, die Würde der Franzosen, Menschenwürde, Europapläne spielten im Gegensatz zu anderen Bewegungen eine untergeordnete Rolle. Dem Exilwiderstand blieb die Résistance in Frankreich selbst zunächst verborgen. Erstmals im März 1942 gelang es dem Gründer von Libération-Nord, Christian Pineau, de Gaulle in London zu treffen und über den Widerstand in Frankreich selbst zu berichten. Am 11. November (Fest des hl. Martin) 1942 sagte de Gaulle in London über den heimischen Widerstand, dieser habe die vassalitische Unterwerfung Europas unter Hitler verhindert. Frankreich befinde sich politisch und moralisch im Zentrum dieses gigantischen Kampfes. Für de Gaulle, Jacques Maritain [3] und René Cassin - die beiden letzteren waren Vordenker der Résistance - spielte die Leitidee von der Grandeur Frankreichs eine besondere Rolle. Maritain sagte am 14. Juli (Nationalfeiertag) 1943: "Das Volk von Frankreich wurde von Männern verraten, die aus einem egoistischen und isolationistischen Nationalismus heraus auf die Grandeur, auf die Generosität und auf die Ehre ihres Landes verzichtet haben. Das Volk von Frankreich sehnt sich nach Grandeur. Frankreich wurde unter den Nationen eine besondere Rolle zuteil, die nicht ausgewischt werden kann. Die Grandeur Frankreichs ist eine Grandeur der Menschheit." Ein Teil des Kolonialreiches, Französisch-Äquatorialafrika, schloß sich frühzeitig La France libre an und schmälerte den Rückhalt von Vichy im Empire. Von Algier aus, wo ab 1943 unter dem Namen "Assemblée Consultative" eine Art Exilparlament tagte, nahm auch die politische Rückeroberung Frankreichs ihren Ausgang.

Noch im Sommer 1940 gründete im Elsaß der Musikverleger Raymond Deiss das Untergrundjournal "Pantagruel", das im Oktober des Jahres auch in Paris zu lesen war, gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus. Gestalt nahm "die" Résistance ab dem Sommer 1941 an, als klar wurde, daß Hitler keinerlei konstruktive Pläne für Europa besaß, mit denen die Krise des Nationalstaats, die allenthalben diagnostiziert wurde, hätte überwunden werden sollen. Das Ansteigen der Gewalt im Land, die zunehmenden Judenverfolgungen, die immer größeren Besatzungslasten, die Besetzung des restlichen Frankreich und die Zwangsarbeit, vor der sich die jungen Männer nur durch Flucht in den Untergrund, d.h. in die Berge und Wälder, retten konnten, führten der Résistance neue Anhänger zu. Den Anfang der Aktivitäten machten Untergrundpublikationen aus, allmählich entstanden weitere Aktionsfelder: Militärspionage (Service des enseignements), Sabotageakte (Action ouvrière), Vorbereitungen für die Ersetzung von Kollaborateuren in der Verwaltung (Noyautage des administrations publiques), schließlich die Schaffung der Armée secrète. Neben vielen lokalen Gruppen und einem in der ersten Zeit eigenständigen kommunistischen Widerstand bildeten sich in der nördlichen und südlichen Zone je drei überlokale Widerstandsgruppen aus. Sie hatten 100 bis 400 Anhänger, später wurden daraus Tausende.

Gruppen und Persönlichkeiten der Résistance

Im Süden entwickelte sich Combat ab Dezember 1941, das linkskatholisch geprägt war. Die Führung übernahm der schon erwähnte Henri Frenay. Die gleichnamige Zeitschrift erreichte ab 1942 einige 10.000 Exemplare pro Nummer, einzelne Nummern konnten in einer 300.000er Auflage gedruckt werden. Zu den führenden Redakteuren gehörte ab Frühjahr 1944 Albert Camus. André Hauriou war ab Herbst 1943 Delegierter des Combat in der provisorischen Nationalversammlung in Algier. Libération-Sud war eine überwiegend sozialistische Widerstandsbewegung, Franc-Tireur vereinigte Linkssozialisten und Republikaner, der Historiker Marc Bloch gehörte dazu. In der in Toulouse wirkenden Gruppe Libérer et Fédérer wirkten emigrierte italienische Antifaschisten und spanische Republikaner mit. Léon Blum, Vincent Auriol (späterer Staatspräsident) zählten dazu. Im Januar 1943 schlossen sich die drei Hauptgruppen im Süden zu den Mouvements unis de résistance zusammen. Ende 1943 wurde der kommunistische Front National im Süden aktiv. Im Norden führte der Sozialist Pineau Libération-Nord. Daneben bestand die Organisation civile et militaire (OCM), in der die politische Rechte den Ton angab und die dem Vichy-Regime nahestand. Der kommunistische Front National war hier frühzeitig tätig. In Paris konnte sich eine bedeutende studentische Widerstandsgruppe bilden, deren Zeitschrift Défense de la France zu den weitverbreitesten Untergrundzeitschriften zählte. Einige Publikationen wie die Untergrundzeitschrift Le Populaire der sozialistischen Partei kursierten in beiden Zonen. Die SFIO war am 10. Juli 1940 zerbrochen, als 90 von 125 sozialistischen Abgeordneten der Ermächtigung Pétains zustimmten. Die Gegner Pétains gründeten das Comité d'Action socialiste (CAS), zu dem im Süden etwa Gaston Defferre zählte. Ebenfalls in beiden Zonen verbreitet wurden die Cahiers Politiques, Organ des Comité général d'études de la France combattante (im Februar 1943 gegründet, dem Vorstand gehörten u.a. Pierre-Henri Teitgen und Marc Bloch an). Das Komitee arbeitete mit dem Conseil National de la Résistance zusammen, den Jean Moulin im Auftrag de Gaulles, zunächst gegen den Willen der Widerstandsgruppen, ins Leben gerufen hatte. Im Schoß der Armée de l'Armistice, dem verbliebenen Rest des französischen Heeres nach dem Waffenstillstandsabkommen, entwickelten sich im Zuge der Demobilisierung von Einheiten ebenfalls Widerstandsgruppen, deren Führung im Sommer 1942 der General Giraud übernahm. Dieser konnte mit der Unterstützung der Amerikaner rechnen. Giraud war aus deutscher Gefangenschaft geflohen (wie schon im Ersten Weltkrieg), darauf gründete sich seine Popularität. Er setzte sich nach Algerien ab, wo er mit der Errichtung einer Diktatur begann, die sich an Pétains "Révolution nationale" orientieren sollte. Ihm lag vor allem an der Wiederherstellung der territorialen Integrität Frankreichs.

Ziele der Résistance

Gemessen an den geographisch-organisatorischen und politischen Ursprüngen war die Résistance folglich außerordentlich heterogen. Dennoch gelang eine organisatorische Verknüpfung in den beiden Zonen und mit de Gaulle, zunächst in London, dann in Algier. Während gegen Ende des Krieges und vor der Libération eine Einheit der Aktion durchzusetzen war und die politischen Divergenzen in den Hintergrund traten, war es mit dieser Einheit nach Kriegsende sehr bald vorbei. Der Gedanke eines geeinten Europas sowie eines neuen Völkerbundes hatte im Untergrund viele Anhänger gehabt und lebte nach Kriegsende weiter, beeinflußte in den ersten Jahren die politischen Entscheidungen aber nur wenig. Hier hatte Frankreich als Nationalstaat Vorrang. Das Gros der Gruppen erstrebte ein erneuertes demokratisches Frankreich. Die Auswüchse des Kapitalismus wurden von fast allen Gruppen gebrandmarkt, Verstaatlichungen gefordert. Die meisten machten Unterschiede zwischen 'den' Deutschen/Deutschland und den Nationalsozialisten, sie plädierten für eine demokratische Erneuerung Deutschlands und dessen Einbindung in ein föderales Europa. Wenige propagierten die Zerschlagung Deutschlands in mehrere Einzelstaaten. Die Lektüre der Untergrundschriften fördert zutage, wie sehr die europäische Geschichte seit dem Westfälischen Frieden von 1648 als mit kapitalen Fehlern belastet empfunden wurde. Die Friedensverträge von Versailles wurden von den meisten als grobe Fehlkonstruktion begriffen. Das Bemühen, unter den Bedingungen des Untergrunds die Grundlagen einer politisch stabilen und gerechten sowie demokratischen internationalen und europäischen Ordnung zu durchdenken, gehört zu den beeindruckendsten intellektuellen Leistungen der Résistance.

Text aus: Wolfgang Schmale: Geschichte Frankreichs (UTB), Stuttgart 2000, S. 278-281 (mit freundlicher Genehmigung des Ulmer-Verlages Stuttgart)