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'Siemens und Framatome: Kernfusion vor dem "nuklearen Winter"'
 
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Siemens und Framatome: Kernfusion vor dem "nuklearen Winter"

Die Anfang Dezember 1999 angekündigte Zusammenlegung der Nuklearaktivitäten von Siemens [1] -KWU und Framatome [2] ist zum einen eine Konsequenz der jahrelangen Zusammenarbeit, zum anderen eine Folge des wachsenden Drucks auf die Nuklearenergie durch politische Entscheidungsträger und Bevölkerung (deutscher "Ausstieg", Regierungsbeteiligung und Zugeständnisse an die Grünen in Frankreich). Die neue Gesellschaft, die den weltweit führenden Hersteller von Kernkraftwerken darstellt, soll zu 34 Prozent von Siemens und zu 66 Prozent von Framatome gehalten werden. Sie wird mit 13100 Beschäftigten 3,1 Milliarden Euro umsetzen. (Zahlen für 2002)

Bereits 1989 hatten die beiden Unternehmen die gemeinsame Gesellschaft NPI (Nuclear Power International) insbesondere zur Entwicklung des europäischen Reaktors EPR [3] (European Pressurized Water Reactor) gegründet, ein Schritt, der durch die Bestrebung der Framatome, ihre Unabhängigkeit gegenüber dem Alcatel [4] -Vorläufer CGE zu bewahren, beschleunigt wurde. Der bis zum Jahr 2010 verfügbare EPR soll als Reaktor der Zukunft zunächst die US-amerikanischen, in einem zweiten Schritt die europäischen Reaktoren ablösen.

Obwohl sich sowohl EDF [5] als auch die acht größten deutschen Versorger offiziell zum EPR bekennen, dürfte seine Zukunft, nicht nur auf Grund der deutschen Ausstiegspolitik, mehr als ungewiss sein: Die französischen Grünen haben ihren Widerstand zur Bewährungsprobe für die Regierungskoalition erhoben. Auch die EDF dürfte geneigt sein, trotz bestehender Abkommen mit Framatome und Siemens, angesichts eines Bedarfs an neuen KKWs erst ab dem Jahr 2030 und angesichts des enormen Preisdrucks im europäischen Strommarkt (der den finanziellen Spielraum für hohe Investitionen einengt) eine Entscheidung zu vertagen. So wurden im September 1999 Pressemitteilungen, EDF werde die Regierung zu einem klaren Bekenntnis zum ERP auffordern, von der Konzernführung heftig dementiert. Die Ankündigung von Framatome, eine Entscheidung für oder gegen den EPR müsse erst im Jahre 2003 - 2004 fallen, hat die Lage entdramatisiert und die Entscheidung auf die Zeit nach den Präsidentschaftswahlen vertagt. Framatome könnte sein Engagement im russisch-amerikanisch-japanischen Projekt GT-MHR (Gas Turbine Modular Helium Reactor [6] ), das die Konstruktion kleiner 300 MW-Reaktoren vorsieht, bereits als Alternative zum gigantischen EPR (1450 -1750 MW) verstehen. Neben dem EPR werden die Hauptaktivitäten des neuen deutsch-französischen Unternehmens in der Unterhaltung der bestehenden Kraftwerke sowie im Bereich der Brennstoffe liegen.

Abbildung 8:

Das Hochhaus des Framatome Konzerns in Paris La Défense wurde zu Beginn des Jah-res 2003 in Areva umbenannt. Der 184 m hohe Büroturm wurde 1974 von dem Fiat-Konzern gebaut.


Internet-Quelle [7]

Nach der Neuordnung des Framatome-Kapitals und der durch den Alcatel-Ausstieg erfolgten "provisorischen Nationalisierung" (die dem französischen Staat am deutsch-französischen Unternehmen einen Anteil von 56 Prozent einräumt), muss die Regierung nun mit dem für das Jahr 2001 angekündigten Börsengang Framatomes Ernst machen. Dieser Schritt dürfte in Paris Spannungen auslösen: die Schwächung der französischen Nuklear-Lobby (7) wurde bereits im franko-französischen Tauziehen um die Besetzung des Vorstandspostens der neuen gemeinsamen Gesellschaft deutlich: Während die Präsidentin der Cogema [8]Anne Lauvergeon, für den bisherigen Generaldirektor Jean-Daniel Lévy eingetreten war, konnte sich das Wirtschafts- und Finanzministerium mit Dominique Vignon (amtierender PDG) durchsetzen. Dieser Rückschlag dürfte die Verhandlungsposition der Cogema in den nächsten Monaten mit EDF über die Kosten der Wiederaufbereitung schwächen.

Abbildung 9:

Beteiligungen bei Framatome (Situation 2000, vor dem Ausstieg von Alcatel).

 

 

 

Quelle: Framatone

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Anmerkungen

7. Jean-Pierre Froehly: Nuklearmacht Frankreich - zivile und militärische Aspekte im Verhältnis zu Deutschland, in: DOKUMENTE Nr. 2/1999.