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'Energie und Strom: Fehlende Gegenseitigkeit als Zankapfel der Zukunft '
 
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Energie und Strom: Fehlende Gegenseitigkeit als Zankapfel der Zukunft

Der jüngst liberalisierte europäische Energiemarkt steht heute im Zentrum der strategischen - auch deutsch-französischen - Debatten. Während die Liberalisierung auf dem 100 Prozent geöffneten deutschen Markt zu erheblichen Neudefinitionen von Produzenten, Stadtwerken und Unternehmensstrategien (Multi-Utility [1] ) führt, konnte in Frankreich die Liberalisierungs-Direktive von 1996 erst im Januar 2000 und mit erheblicher Verzögerung (vor allem durch den Senat) verabschiedet werden. Der französische Markt wird allerdings nur um das vorgegebene Minimum von 33 Prozent geöffnet, was industrielle Abnehmer, nicht jedoch Privatkunden betrifft.

Dem staatlichen Elektrizitätskonzern EDF ist es trotz des Widerstands der deutschen Energie-Lobby sowie der Grünen gelungen, den Zuschlag für den Erwerb der circa 25 Prozent Anteile an Energie Baden-Württemberg (EnBW [2] ) zu erhalten. Die Ausdehnung der EDF nach Südwestdeutschland wurde beschleunigt durch die Fusion von RWE [3] und VEW, die eine weitere Partizipation [4] (etwa von RWE an EnBW) aus wettbewerbsrechtlichen Gründen unwahrscheinlich machte. Mit dem Markenstrom "Yello [5] " setzt EnBW als einer der wenigen großen Anbieter der Branche vorwiegend auf Elektrizität und weniger auf das als "Multi-Utility" bezeichnete Mischangebot aus Elektrizität, Wasser und Telekommunikation. Die Beteiligung entspricht der europäischen und internationalen Wachstumsstrategie von EDF, die auch in Großbritannien und jüngst in Brasilien (Erhöhung der Beteiligung am Unternehmen Light auf 31,7 Prozent) ihre Präsenz verstärkt hat.

Abbildung 10:

Zusammensetzung und Herkunft des Stroms bei verschiedenen Anbietern.

 

 

Internet-Quelle [6]

Der Druck auf die EDF dürfte jedoch von deutscher Seite in zweifacher Weise wachsen: Zum einen betrifft dies die Öffnung des französischen Marktes auf das vorgesehene Minimum von "nur" 33 Prozent. Zum anderen ist die Struktur von EDF selbst betroffen, die sich noch immer in Staatshand befindet und deren Kapitalöffnung nicht absehbar ist. Zumindest im öffentlichen Diskurs erscheint der deutsch-französische Dialog hier verhärtet: Während jüngst der deutsche Wirtschaftsminister Werner Müller radikal die Privatisierung von EDF verlangte (8), erklärte Industrieminister Christian Pierret die Regierung sehe keinen Wandel im Status des Unternehmens vor. (9) Das jüngst und verspätet in Frankreich verabschiedete Gesetz zur Umsetzung der Liberalisierungs-Direktive lässt sich zu Recht als ein "Festival der verpassten Möglichkeiten" beschreiben, da es eine Neudefinition des Verhältnisses zwischen Staat und EDF noch nicht einmal andeutet. Dieses klare Zugeständnis von Premierminister Lionel Jospin an seine kommunistischen Regierungspartner macht deutlich, dass die aktuellen Machtverhältnisse in der "majorité plurielle" sowie die innenpolitische Agenda der nächsten zwei Jahre (Gemeinde-, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen) wohl kaum eine Bewegung zulassen werden. Hier wird undosierter Druck von deutscher Seite nur wenig nutzen und den Dialog unnötig blockieren.

 

Der europäische Energiemarkt im Jahre 2003                                                                          

Land Öffnungsgrad Verbrauch Mrd. kwh
Frankreich 33397
Deutschland 100492
Großbritannien 100331
Spanien 100164
Schweden 100142
Italien 40261

 Quelle: Eurprog/Le Figaro, 2.2.2000 

 

Entwicklungen wie die zunehmende Liberalisierung haben die Angleichung der Strukturen in Deutschland und Frankreich zur Folge. So führt die Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland um 100 Prozent zu einer Zentralisierung, da die Stadtwerke als Vertreter lokaler Identität durch die großen Anbieter aufgekauft werden. Wirtschaftliche Entwicklungen verändern somit, ohne dass dies vorher gesehen wurde, das Verhältnis zwischen lokaler und regionaler Ebene in Deutschland.

Abbildung 11:

Seit 2000 haben sich die Gesellschaften Total, Fina und Elf zu einem Energiegi-ganten zusammengeschlossen. Das Bild zeigt den Verwaltungssitz des Konzerns in Paris - La Défense.

 

Internet-Quelle [7]

Ein mögliches Zukunftsszenario [8]  in Frankreich könnte die Fusion von Total, Fina, Elf, Gaz de France und schließlich EDF zu einem einzigen "französischen Spitzenreiter der Energie" darstellen, welcher sich in die aktuelle Tendenz der Konvergenz von Öl, Gas (10) und Elektrizität einreihen würde. Wie auch seine großen Mitbewerber (zum Beispiel Shell) dürfte TotalFina-Elf mittelfristig den Weg "fuel to power" einschlagen. 

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Anmerkungen

8. "Le Monde", 29.1.2000. 
 
9. "Le Monde", 28.1. 2000. 
 
10. Studien zufolge soll der Anteil an Gas im europäischen Strommarkt von heute 10 bis 15 Prozent auf 40 Prozent im Jahre 2010 steigen.