French
German
 
 
 
 
 
 

Sie sind hier: Deuframat > ... > Einleitung

Einleitung

Während die Erfolge der NSDAP [1] in den Jahren 1932/33 wesentlich als ”Aufstand der Provinz” (D. Peukert), vor allem der evangelischen Agrarprovinz gedeutet wurden, war der Sieg einer Volksfront (Front Populaire [2] ) aus Kommunisten, Sozialisten und Radikalsozialisten in dem ebenfalls von der Weltwirtschaftskrise erfassten Frankreich im Mai 1936 nur deshalb möglich, weil – anders als in Deutschland – ein beachtlicher Teil der französischen Landbevölkerung traditionell für die Parteien der Linken votierte. Daraus entwickelte sich die zentrale Fragestellung der vorliegenden Studie nach den politischen Mentalitäten und parteipolitischen Strukturen, die den differierenden Wahlpräferenzen der Provinz in beiden Ländern zugrunde lagen.

Abbildung 1/2:

Das Departement Corrèze im westlichen Zentralmassiv (oben) und die Region Mittelfranken (unten) im Vergleich

 

 

 

 

 

Internet-Quelle [3]

 

 

 

 

 

 

 

Internet-Quelle (http://www.mathematik.uni-bielefeld.de)

Als Vergleichsgegenstand dienen die ländlichen Gebiete Westmittelfrankens und der zentralfranzösischen Corrèze, zwei Regionen, die zwar ein erhebliches Potential an sozioökonomischen Gemeinsamkeiten aufwiesen (Agraranteil in beiden Fällen zwischen 65-70 Prozent, klein- und mittelbäuerliche Strukturen, ausgeprägte infrastrukturelle Rückständigkeit und höchste Landfluchtquoten), die aber gleichzeitig in ihrer politischen Orientierung höchst unterschiedlich waren und innerhalb der deutschen und französischen Nationalgeschichte als Hochburgen der NSDAP bzw. der Volksfront jeweils eines der typischen Extreme des Wählerverhaltens abbildeten. Im corrézischen Kanton Bugeat registrierte man 1936 mit über 60 Prozent den höchsten kommunistischen Stimmenanteil im Hexagon, in Westmittelfranken wurde das Bezirksamt Rothenburg ob der Tauber im März 1933 mit über 80 Prozent für die NSDAP zum erfolgreichsten nationalsozialistischen Wahlbezirk ganz Deutschlands.